Unter Kollegen – Kaltnadelradierung mit Joe

Ein Vorzug des Künstlerhofs ist, auch mal bei anderen Disziplinen reinschnuppern zu können. Und da ich mich schon eine ganze Weile für das Drucken interessiere, nahm ich die Einladung von Joe gerne an.

Im Künstlerhof steht eine alte Druckerpresse, die von ihm vollständig restauriert wurde. Sie tut es wieder und ist mit ihren 15t Anpresskraft ein beachtliches Werkzeug.

Wir trafen uns bei herrlichem Sonnenschein unter dem Dach des Hofes und durch die Fenster wehte der Duft frisch gemähten Grases herüber. Auf dem Tisch war bereits das Werkzeug bereit gelegt und nach einer kleinen Anleitung konnte es losgehen.

Die Kaltnadelradierung ist ein Tiefdruckverfahren. Dabei wird mit gehärteten Nadeln unterschiedlicher Geometrie das Motiv in eine Aluminiumplatte geritzt. Nadelform und Eindrucktiefe bestimmen die spätere Form und Schwärze der Linie. Tatsächlich kann mit nahezu allen Materialien gedruckt werden. Für das Drucken mit Kindern verwendet er beispielsweise Kunststoffplatten, aber auch die Innenseite von Tetrapacks kann zur Not genutzt werden. Je weicher das Material ist, desto einfacher kann die Form eingeritzt werden. Allerdings ist sie auch weniger haltbar, da der Grat, der sich an der Kante bildet und so für eine ausreichende Farbaufnahme sorgt, sich zunehmend abnutzt. Mit einem Alublech sind etwa 10 – 15 Drucke möglich.

Die Druckfarbe wird mit Öl verdünnt und dann auf die Druckplatte gerieben. Um alle Linien zu erreichen, geschieht das auf einer Wärmeplatte, die dafür sorgt, dass die Farbe dünnflüssiger wird. Nach dem Abkühlen wird die überschüssige Farbe zuerst mit Gaze und dann mit der Hand abgewischt. Im idealen Fall ist alles, außer dem Motiv, spiegelblank.

Und dann haben wir gedruckt. Joe hatte Büttenpapier eingeweicht, so dass es am Tag des Druckes „kellerfeucht“ ist. Ich muss gestehen, dass ich Bedenken hätte, wäre mein Keller dermaßen feucht. Allerdings gehe ich einfach mal von alten Weinkellern aus und dann passt das wieder.

Ich muss zugeben, dass mein Widderchen etwas zu zaghaft eingeritzt wurde. Aber da ich mit einem erfahrenen Drucker zusammenarbeitete, tüftelten wir gemeinsam, probierten verschiedene Effekte aus und hatten hinterher ein Dutzend gut gelungener Abzüge.

Es war ein wirklich wundervoller und interessanter Tag. Und wer jetzt Lust bekommt, das auch einmal auszuprobieren, der kann einen Workshop bei ihm machen. Denn dank der niedrigen Inzidenzen sind so langsam wieder Kurse möglich. Interessenten können hier Kontakt aufnehmen.

PS: Demnächst wird es hier einen Bericht über mein Erlebnis mit dem Rakubrand geben. Ihr könnt Euch schon darauf freuen…

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. giselarott sagt:

    Ist echt toll geworden, dein Widderchen….

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    1. Danke dir 🙂 Aber ohne die tolle Anleitung wäre das nichts geworden…

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  2. Mirko Noch sagt:

    Wie immer sehr schön geschrieben und super Fotos! Weiter so ! Ich bin schon gespannt auf die nächsten Berichte!

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    1. Danke dir 🙏😊

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